So schützen Sie Ihre Mitarbeiter: Quetsch-Risiken bei Hubarbeitsbühnen minimieren
Sicheres Arbeiten mit Hubarbeitsbühnen ist unverzichtbar – und dabei geht es längst nicht nur um den Schutz vor Absturz. Viele Menschen assoziieren Hubarbeitsbühnen primär mit Höhenarbeit und der Gefahr, aus großer Höhe in die Tiefe zu fallen. Doch mindestens ebenso kritisch sind Risiken wie Quetsch‑Unfälle, bei denen Personen zwischen dem Arbeitskorb und Hindernissen – etwa Decken, Trägern oder Gebäudeteilen – eingeklemmt werden.
Statistiken respektabler Fachorganisationen zeigen mit Sorge, dass solche gefährlichen Zwischenfälle keineswegs selten sind. So meldet International Powered Access Federation (IPAF) für 2022 einen deutlichen Anstieg von Quetsch-Unfällen bei mobilen Hubarbeitsbühnen im Vergleich zu 2021.
Diese Entwicklungen unterstreichen, wie essenziell ein ganzheitliches Gefährdungsmanagement im Betrieb ist — eines, das weit über Absturzschutz hinausgeht. Nur durch sorgfältige Planung, regelmäßige Schulung, klare Sicherheits‑ und Verfahrensregeln sowie geeignete technische Schutzmaßnahmen lassen sich Quetsch- und Absturzrisiken nachhaltig minimieren.
Was sind Quetsch-Risiken?
Definition
Quetsch‑Risiken bei Hubarbeitsbühnen beschreiben die Gefahr, dass Personen zwischen der Plattform bzw. dem Arbeitskorb und festen, unbeweglichen Strukturen (z. B. Decken, Trägern, Wänden, Rohrleitungen) eingequetscht werden.
Solche Vorfälle können schwere Verletzungen oder sogar tödlich enden.
Typische Gefährdungssituationen
• Überkopf- oder nahe Hindernisse im Arbeitsbereich
Wenn eine Hubarbeitsbühne unter einem Dach, über einer Decke, in der Nähe von Balken, Rohrleitungen, Kabeltrassen oder anderen festen Strukturen eingesetzt wird, besteht das Risiko, dass der Korb oder Teile der Bühne mit diesen Hindernissen kollidieren.
• Bewegung der Plattform bei eingeschränktem Raum
Gerade beim Anheben, Absenken oder Versetzen der Bühne — etwa beim Einfahren unter niedrige Decken oder beim Durchfahren enger Türen — kann eine unachtsame Bewegung ausreichen, um eine Quetschsituation auszulösen. Auch beim Fahren in abgesenkter oder transportabgesenkter Position bestehen solche Risiken.
• Fehlbedienung oder mangelnde Kontrolle der Bühne
Unvertrautheit mit der Steuerung, falsche Bedienung oder Unachtsamkeit — insbesondere bei Schwenkbewegungen, Richtungswechseln oder beim Einfahren — können dazu führen, dass die Bühne unerwartet gegen Hindernisse stößt. Dabei kkönnen Personen eingeklemmt werden.
• Ungeeignetes Umfeld oder unzureichende Planung vor dem Einsatz
Wenn vor Arbeitsbeginn die Umgebung nicht sorgfältig geprüft wird — etwa vorhandene Hindernisse, Durchfahrts- oder Deckenhöhen — steigt das Risiko erheblich. Auch ungeeigneter Untergrund, unzureichende Abstände zu festen Strukturen oder das Fehlen eines Rettungsplans für Notfälle spielen eine Rolle.
• Einsatz bei engen Platzverhältnissen oder bei komplexen Baustellenbedingungen
Auf Baustellen oder in Gebäuden mit vielen Querverbindungen, Installationen oder engen Bereichen ist die Gefahr besonders hoch — wenn Bühne, Umgebung und Bewegungsraum nicht aufeinander abgestimmt sind.
Diese Beispiele zeigen: Quetsch‑Risiken sind keine theoretische Gefahr — sie sind real und treten unter ganz normalen Arbeitsbedingungen auf. Ein Bewusstsein für solche Risiken und eine sorgfältige Planung sind deshalb unerlässlich.
Hauptursachen für Quetschunfälle bei Arbeitsbühnen
Wenn es zu Quetsch‑Unfällen mit Hub‑ bzw. Arbeitsbühnen kommt, lassen sich bestimmte Ursachen besonders häufig identifizieren. Im Folgenden sind die wichtigsten Risikofaktoren dargestellt:
Arbeiten nahe an Überkopf‑Strukturen oder baulichen Hindernissen
Wenn eine Bühne unter Dächern, Balken, Kabeltrassen, Rohrleitungen oder anderen festen Strukturen eingesetzt wird, besteht ein erhöhtes Risiko, dass der Korb oder Bediener mit diesen Hindernissen kollidieren.
Unerwartete Bewegungen der Plattform
Unfälle passieren häufig, wenn die Plattform sich plötzlich bewegt und dies in unmittelbarer Nähe zu Hindernissen geschieht. Ursache dafür können instabiler oder unebener Untergrund, technische Mängel oder Bedienfehler sein. Ebenso gefährlich ist das Fahren einer angehobenen Bühne über unebenes Gelände oder das Verstellen in engen Bereichen — hier besteht die Gefahr, dass die Bühne kippt oder der Korb gegen Hindernisse gedrückt wird.
Ablenkung durch Hindernisse am Boden und eingeschränkte Aufmerksamkeit
Oft liegt der Fokus von Bedienern auf Überkopf‑Gefahren — Hindernisse am Boden oder im Umfeld (z. B. Gegenstände, unebene Flächen) werden dabei übersehen. Das kann dazu führen, dass der Bediener beim Fahren oder Positionieren der Bühne nicht genug auf die Umgebung achtet und unbeabsichtigt Kollisionsrisiken auslöst.
Insbesondere in Arbeitsumgebungen mit vielen Installationen, Hindernissen oder eingeschränkter Raumsituation steigt das Risiko deutlich.
Diese Ursachen zeigen: Quetschunfälle entstehen meist nicht durch eine einzelne Fehlerquelle, sondern durch das Zusammenspiel von Umgebung, Technik und menschlichem Verhalten. Eine sorgfältige Planung, Risikobewertung und konzentrierte Arbeitsweise sind deshalb zentral.
Bewährte Schutz- und Präventionsmaßnahmen
Wenn Sie mit Hubarbeitsbühnen arbeiten, reicht es nicht aus, einfach nur vorsichtig zu sein — um Quetsch‑Risiken wirksam zu minimieren, sollten Sie auf eine Kombination aus technischen, organisatorischen und administrativen Maßnahmen setzen. Im Folgenden finden Sie bewährte Schutz‑ und Präventionsmaßnahmen:
Technische Vorrichtungen
• Verwenden Sie Hubarbeitsbühnen mit nachrüstbaren oder serienmäßig vorhandenen Schutzsystemen – z. B. sogenannte Sekundär‑Sicherungssysteme bzw. „Secondary Guarding Systems“, die verhindern, dass der Bediener bei Kontakt mit Hindernissen eingeklemmt wird.
• Setzen Sie Näherungs‑ bzw. Kollisionssensoren oder andere Detektionssysteme ein, die beim Annähern an Hindernisse automatisch warnen oder die Bewegungen stoppen — so wird das Risiko verringert, dass Korb oder Plattform unbemerkt an Strukturen stoßen.
• Achten Sie bei der Auswahl des Typs der Arbeitsbühne darauf, dass sie für den jeweiligen Einsatzbereich geeignet ist.
Richtlinien und Verfahrensregeln
• Planen Sie Einsätze sorgfältig: Erstellen Sie vor Arbeitsbeginn eine detaillierte Risikoanalyse inklusive Beurteilung der Umgebung (Überkopf‑Gefahren, Hindernisse, ausreichend Platz), und legen Sie ein sicheres Vorgehen fest.
• Sorgen Sie dafür, dass die Bühne vor dem Verfahren in abgesenktem Zustand ist — besonders bei Scherenbühnen ist die Regel „Bühne vor dem Fahren immer absenken“ eine wichtige Maßnahme, um Einklemm‑ oder Kollisionsrisiken zu vermeiden.
• Halten Sie den Arbeitsbereich frei: Entfernen Sie unnötige Hindernisse und sorgen Sie für ausreichende Bewegungs‑ und Sicherheitsabstände.
Administrative Maßnahmen und organisatorische Vorkehrungen
• Stellen Sie sicher, dass nur fachkundige und entsprechend ausgebildete Personen Hubarbeitsbühnen bedienen — inkl. Einweisung speziell für das verwendete Modell und die Einsatzumgebung.
• Führen Sie regelmäßige Wartungs‑, Inspektions- und Funktionsprüfungen der Bühne durch — insbesondere vor jedem Einsatz und turnusmäßig — um technische Mängel frühzeitig zu erkennen und zu beheben.
• Erarbeiten und dokumentieren Sie ein sicheres Arbeitsverfahren inklusive Notfall- und Rettungsplan — damit im Ernstfall schnell gehandelt werden kann.
• Führen Sie regelmäßige Schulungen und Unterweisungen durch — nicht nur zur Bedienung, sondern auch zur Gefahrenwahrnehmung, sicheren Arbeitsweise und richtigen Verhaltensweisen bei ungewöhnlichen Situationen.
Warum Prävention Pflicht ist
Auch wenn der Einsatz von Hub‑ und Arbeitsbühnen viele Arbeiten sicherer macht — insbesondere wenn es um Arbeiten in der Höhe geht — zeigen traurige Beispiele und offizielle Auswertungen klar: Ohne konsequente Prävention besteht erhebliche Gefahr.
Bedeutung von Gefährdungsbeurteilung und Risikomanagement — auch rechtlich und versicherungstechnisch
• Der Einsatz von mobilen Hubarbeitsbühnen (MEWPs bzw. EWPs) zählt laut Health and Safety Executive (HSE) zu den Bereichen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial — insbesondere wegen der Gefahr von Einklemmungen. Deshalb sind sichere Arbeitsverfahren, passende Gerätauswahl und Ausbildung der Bediener Pflicht.
• Bei Arbeitgebern liegt eine rechtliche Verantwortung: Vor Einsatz muss eine Risikoanalyse erfolgen, geeignete Schutzmaßnahmen ausgewählt und die Betriebssicherheit übersichtlich dokumentiert sein — sowohl zum Schutz der Beschäftigten als auch aus haftungs‑ und versicherungstechnischer Sicht.
• Nur durch systematisches Risikomanagement — inklusive Gefährdungsbeurteilung, Schulung, Wartung und kontrollierter Arbeitsabläufe — lassen sich solche Gefahren nachhaltig minimieren. Das dient nicht nur der Sicherheit der Mitarbeiter, sondern schützt auch das Unternehmen vor rechtlichen und finanziellen Folgen.
Praxis‑Tipps für Unternehmen: So gehen Sie Risiken aktiv an
Wenn Sie mit Hub‑ oder Arbeitsbühnen arbeiten, kann Ihr Betrieb durch systematisches Vorgehen, klare Regeln und gute Vorbereitung die Sicherheit deutlich erhöhen. Hier sind bewährte Praxistipps, die Sie unkompliziert in Ihrem Betrieb umsetzen können:
• Vor Arbeitsbeginn: Umfeld prüfen
Bevor die Bühne in Betrieb genommen wird, sollte der Einsatzbereich sorgfältig inspiziert werden — sowohl über Kopf als auch am Boden. Überprüfen Sie, ob Überkopf‑Strukturen, Rohrleitungen, Decken, Gerüste oder sonstige Hindernisse vorhanden sind. Auch der Untergrund muss stabil und eben sein. Definieren Sie gegebenenfalls eine abgesperrte Zone bzw. Arbeitsfläche, um unbeteiligte Personen fernzuhalten und einen sicheren Arbeitsbereich zu gewährleisten.
• Bei Auswahl einer Arbeitsbühne: Einsatzumfeld berücksichtigen
Wählen Sie das für den jeweiligen Einsatz passende Arbeitsbühnenmodell — abhängig von Umgebungsbedingungen, Platzangebot, Höhe und möglichen Hindernissen.
• Dokumentation & Wartung: regelmäßige Kontrollen sicherstellen
Führen Sie vor jedem Einsatz eine Sicht‑ und Funktionsprüfung der Bühne durch. Mängel oder Auffälligkeiten müssen umgehend dokumentiert und beseitigt werden — andernfalls darf die Bühne nicht benutzt werden. Darüber hinaus sollten regelmäßige, umfassende Inspektionen und Wartungen nach Herstellervorgaben erfolgen.
• Schulung & Unterweisung: Bediener kompetent machen
Stellen Sie sicher, dass alle Bediener fachgerecht geschult sind. Neben der generellen Bedienung sollten sie mit möglichen Gefährdungen (z. B. Einklemm‑, Überlast‑ oder Stabilitätsrisiken) vertraut sein. Führen Sie regelmäßige Unterweisungen und Auffrischungen durch, insbesondere wenn neue Geräte oder neue Einsatzbedingungen hinzukommen.
• Sichere Einsatzplanung & Arbeitsverfahren etablieren
Erstellen Sie vor jedem Einsatz eine Gefährdungsbeurteilung und einen sicheren Arbeitsablauf. Definieren Sie klare Verfahrensregeln — z. B. wann die Bühne absenken vor dem Fahren, wie sich Personen am Boden verhalten, wie Materialien transportiert werden, und wie bei Notfällen reagiert wird. Sorgen Sie auch für eine Rettungs- bzw. Notfall‑ und Bergungsplanung.
Fazit & Handlungsaufruf
Sicherheit beim Einsatz von Hub‑ und Arbeitsbühnen darf niemals nur ein Zusatz sein — sie ist essenziell. Quetsch-Risiken sind real und können, wie dokumentierte Unfälle zeigen, zu schweren Verletzungen oder Todesfällen führen, wenn Bühne und Umgebung nicht mit der nötigen Sorgfalt behandelt werden.
Unternehmen und Bediener müssen diese Gefahren ernst nehmen und vorbeugende Schutz‑ und Präventionsmaßnahmen konsequent umsetzen: sorgfältige Planung und Gefährdungsbeurteilung, fachgerechte Auswahl der Arbeitsbühne, regelmäßige Wartung, permanente Schulung des Personals und klare Sicherheitsprozeduren sind keine bloßen Empfehlungen — sie sind Pflicht.
Wenn dieser systematische Ansatz gelebt wird, lassen sich viele Unfälle vermeiden. So kann Arbeitssicherheit nachhaltig erhöht, Personen geschützt und auch Haftungs‑ oder Versicherungsrisiken minimiert werden.
Handeln Sie jetzt: Legen Sie Sicherheitsstandards für Ihre Einsätze mit Arbeitsbühnen fest — dokumentieren Sie Abläufe, schulen Sie Betreiber, prüfen Sie Gerätezustand und Arbeitsumgebung sorgfältig. Damit schaffen Sie eine Arbeitsumgebung, in der Effizienz und Sicherheit Hand in Hand gehen.