Antriebsarten im Vergleich: Asynchronmotor vs. Synchronmotor bei Elektrostaplern

In Elektrostaplern zählt der Antrieb zu den entscheidenden Komponenten – er bestimmt maßgeblich die Leistungsfähigkeit, Effizienz im Betrieb, Wartungskosten und letztlich die Wirtschaftlichkeit auf lange Sicht. Besonders in industriellen Einsatzszenarien, Lagerhallen oder bei häufigem Lastwechsel und großer Belastung spielt es eine zentrale Rolle, welchen Motortyp man wählt.

Der Vergleich zwischen Asynchronmotor (häufig auch Induktionsmotor genannt) und Synchronmotor (z. B. mit Permanentmagneten oder fremderregt) ist wichtig, weil beide Technologien je nach Einsatzgebiet Stärken und Schwächen haben. Der Asynchronmotor überzeugt oft durch Robustheit, geringeren Kostenaufwand und bewährte Technik, während der Synchronmotor Vorteile in Wirkungsgrad, Leistungsdichte und Präzision bietet. Für Betreiber von Elektrostaplern kann die Wahl des Antriebs große Auswirkungen haben – etwa auf Stromverbrauch, Reichweite, Energieeffizienz unter Teillast, Kühlbedarf oder Wartungsanforderung.

Im folgenden Artikel wird zunächst erklärt, worin die grundlegenden Unterschiede in Aufbau und Funktionsweise von Asynchron- und Synchronmotor bestehen. Danach werden Vor- und Nachteile beider Antriebsarten im Kontext von Elektrostaplern untersucht. Anschließend betrachten wir, unter welchen praktischen Einsatzbedingungen welche Technik sinnvoller ist, und liefern Beispiele aus der Praxis. Am Ende ziehen wir ein Fazit, damit Sie als Flottenbetreiber oder Entscheider eine fundierte Entscheidung treffen können.

Grundlagen der Antriebstechnik

Definition: Asynchronmotor (Induktionsmotor)

Ein Asynchronmotor, oft auch Induktionsmotor genannt, ist ein Wechselstrommotor, bei dem der Rotorstrom nicht direkt über Verbindungen wie Schleifringe versorgt wird, sondern durch elektromagnetische Induktion im Rotor erzeugt wird. 

Wesentliche Merkmale:

Der Stator erzeugt ein rotierendes Magnetfeld, das mit der Netzfrequenz synchron dreht. 

Der Rotor „folgt“ diesem Feld nicht exakt mit gleicher Geschwindigkeit, sondern läuft etwas langsamer – es entsteht so genannter Schlupf. Dieser Unterschied in der Drehzahl zwischen Feld und Rotor ist nötig, damit überhaupt Strom im Rotor induziert und damit Drehmoment erzeugt wird. 

Typischer Aufbau umfasst einen Stator mit Wicklungen und einen Rotor, z. B. als Käfigläufer („squirrel cage“) oder seltener mit Schleifringläufer. 

Vorteile sind: hohe Robustheit, relativ einfache und bewährte Technik, geringerer Wartungsaufwand, gute Verfügbarkeit, und oft günstigere Anschaffungskosten. Nachteile können, in bestimmten Betriebszuständen geringere Effizienz sein.

Definition: Synchronmotor (z. B. PMSM – Permanentmagnet, elektrisch erregt)

Ein Synchronmotor ist ein Wechselstrommotor, bei dem bei stationärem Betrieb die Rotor-Drehzahl mit der Drehgeschwindigkeit des Magnetfeldes im Stator synchron ist – das heißt, ohne nennenswerten Schlupf. 

Es gibt verschiedene Varianten:

Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM): Hier wird das Rotorfeld durch Permanentmagnete erzeugt. Diese Bauweise benötigt keine separate Stromversorgung für den Rotor. 

Elektrisch erregte Synchronmotoren: Hier wird das Rotorfeld über eine separate Gleichstrom-Erregung erzeugt, z. B. über Schleifringe oder Bürsten oder andere erregte Strukturen.

Typische Eigenschaften:

Die Drehzahl bleibt auch bei wechselnder Last nahezu konstant, solange die Versorgung und Regelung geeignet sind. 

Sehr guter Wirkungsgrad, besonders bei Teillast, hohe Leistungsdichte und oft ein geringeres Gewicht im Verhältnis zur Leistung. 

Komplexere Konstruktion, empfindlicher gegen Überlast oder Temperaturprobleme. Permanentmagnete können teuer sein oder bei hohen Temperaturen magnetische Leistung verlieren. Auch der Reglereinsatz (Inverter, Sensoren) ist oft anspruchsvoller.

Funktionsweise und technische Unterschiede

Aufbau: Rotor, Stator und Rotorerregung

Asynchronmotor (Induktionsmotor):

Der Asynchronmotor besteht aus zwei Hauptkomponenten:

Stator: Der Stator ist der stationäre Teil des Motors und besteht aus einem zylindrischen Eisenkern, in den Wicklungen eingebettet sind. Diese Wicklungen erzeugen ein rotierendes Magnetfeld, wenn sie mit Wechselstrom versorgt werden.

Rotor: Der Rotor ist der rotierende Teil des Motors und befindet sich im Inneren des Stators. Bei Asynchronmotoren ist der Rotor in der Regel ein Kurzschlussläufer, der aus Kupfer- oder Aluminiumstäben besteht, die an den Enden mit Ringen verbunden sind. Durch das rotierende Magnetfeld des Stators wird im Rotor ein Strom induziert, der ein eigenes Magnetfeld erzeugt und somit Drehmoment erzeugt.

Synchronmotor:

Der Synchronmotor besteht ebenfalls aus zwei Hauptkomponenten:

Stator: Wie beim Asynchronmotor erzeugt der Stator ein rotierendes Magnetfeld durch seine Wicklungen.

Rotor: Der Rotor kann auf verschiedene Weisen erregt werden:

Permanentmagnetischer Rotor: Hierbei sind Permanentmagnete am Rotor angebracht, die ein konstantes Magnetfeld erzeugen.

Elektromagnetischer Rotor: In diesem Fall wird der Rotor durch eine externe Stromquelle erregt, die über Schleifringe oder Bürsten zugeführt wird.

Der Rotor eines Synchronmotors läuft mit exakt der gleichen Geschwindigkeit wie das rotierende Magnetfeld des Stators, daher der Name „Synchronmotor“.

Drehzahlverhalten: Schlupf bei Asynchronmotor vs. Synchronlauf

Asynchronmotor: Der Rotor eines Asynchronmotors läuft immer etwas langsamer als das Magnetfeld des Stators. Dieser Unterschied in der Drehzahl wird als Schlupf bezeichnet. Der Schlupf ist notwendig, damit im Rotor ein Strom induziert wird, der das Drehmoment erzeugt. Ohne Schlupf würde keine Energieübertragung stattfinden.

Synchronmotor: Im Gegensatz dazu läuft der Rotor eines Synchronmotors mit exakt der gleichen Geschwindigkeit wie das Magnetfeld des Stators. Es gibt keinen Schlupf. Dies bedeutet, dass der Synchronmotor bei konstanter Last eine konstante Drehzahl beibehält, was ihn besonders für Anwendungen geeignet macht, bei denen eine präzise Drehzahl erforderlich ist.

Steuerung/Regelung: Frequenzumrichter, Steuerstrategien

Asynchronmotor: Die Drehzahl eines Asynchronmotors kann durch die Frequenz des zugeführten Wechselstroms gesteuert werden. Dies wird häufig durch den Einsatz von Frequenzumrichtern erreicht, die die Netzfrequenz variieren und so die Drehzahl des Motors anpassen. Moderne Frequenzumrichter ermöglichen eine präzise Steuerung der Drehzahl und des Drehmoments, was zu einer verbesserten Energieeffizienz und Leistungsanpassung führt.

Synchronmotor: Auch Synchronmotoren können mit Frequenzumrichtern betrieben werden. Allerdings erfordert die Steuerung hier zusätzlich die Synchronisation des Rotors mit dem Magnetfeld des Stators. Dies kann durch spezielle Steuerstrategien erreicht werden, die sicherstellen, dass der Rotor immer mit der gleichen Geschwindigkeit wie das Magnetfeld läuft.

Leistungsfaktor und Wirkungsgrad

Asynchronmotor: Asynchronmotoren haben in der Regel einen guten Wirkungsgrad, der jedoch bei Teillastbetrieb abnehmen kann. Der Leistungsfaktor (cos φ) ist oft niedriger als bei Synchronmotoren, insbesondere bei Teillast. Dies bedeutet, dass mehr Blindleistung benötigt wird, was zu geringerer Energieeffizienz führen kann.

Synchronmotor: Synchronmotoren zeichnen sich durch einen hohen Wirkungsgrad aus. Sie können einen nahezu idealen Leistungsfaktor erreichen, was bedeutet, dass sie weniger Blindleistung benötigen und somit effizienter arbeiten. Dies führt zu einer besseren Nutzung der bereitgestellten elektrischen Energie und geringeren Verlusten.

Vor- und Nachteile im Einsatz bei Elektrostaplern

Asynchronmotor (Induktionsmotor)

Vorteile:

Robustheit: Asynchronmotoren zeichnen sich durch eine einfache und robuste Bauweise aus. Sie sind weniger anfällig für mechanische Belastungen und eignen sich daher gut für den Einsatz in anspruchsvollen Umgebungen.

Einfache Konstruktion: Die Konstruktion eines Asynchronmotors ist unkompliziert, was die Herstellungskosten senkt und die Wartung vereinfacht.

Geringere Kosten: Aufgrund der einfachen Bauweise und der weit verbreiteten Nutzung sind Asynchronmotoren oft kostengünstiger in der Anschaffung.

Gute Verfügbarkeit: Asynchronmotoren sind weit verbreitet und daher leicht verfügbar, was die Ersatzteilbeschaffung erleichtert.

Geringerer Wartungsaufwand: Durch den Verzicht auf Bürsten und Kommutatoren ist der Wartungsaufwand gering.

Nachteile:

Verlustleistung bei Schlupf: Der notwendige Schlupf zwischen Rotor und Magnetfeld führt zu Verlusten, die die Effizienz verringern können.

Etwas geringere Effizienz: Im Vergleich zu Synchronmotoren ist der Wirkungsgrad bei Asynchronmotoren insbesondere bei Teillastbetrieb etwas niedriger.

Synchronmotor

Vorteile:

Hoher Wirkungsgrad (insbesondere bei Teillast): Synchronmotoren bieten einen hohen Wirkungsgrad, insbesondere bei Teillastbetrieb, was den Energieverbrauch senkt.

Konstante Drehzahl auch bei wechselnder Last: Die Drehzahl bleibt nahezu konstant, selbst bei variierenden Lasten, was eine präzise Steuerung ermöglicht.

Bessere Leistungsdichte: Durch die kompakte Bauweise können Synchronmotoren eine höhere Leistung bei geringerem Platzbedarf liefern.

Nachteile:

Höhere Anschaffungskosten: Die komplexere Bauweise und der Einsatz spezieller Materialien führen in der Regel zu höheren Anschaffungskosten.

Vergleich: Asynchron vs. Synchron im Überblick

Die Wahl zwischen Asynchron- und Synchronmotoren für Elektrostapler hängt von verschiedenen Faktoren ab, die je nach Einsatzszenario unterschiedlich gewichtet werden können. Im Folgenden werden die wichtigsten Kriterien miteinander verglichen:

Wirkungsgrad / Energieverbrauch

Asynchronmotor: Asynchronmotoren erreichen ihren höchsten Wirkungsgrad in einem bestimmten Lastbereich. Bei Teillast kann der Wirkungsgrad jedoch sinken, was zu einem höheren Energieverbrauch führt.

Synchronmotor: Synchronmotoren bieten einen hohen Wirkungsgrad, insbesondere bei Teillastbetrieb. Sie sind effizienter und tragen so zur Reduzierung des Energieverbrauchs bei.  

Anschaffungskosten

Asynchronmotor: Asynchronmotoren sind in der Anschaffung kostengünstiger. Ihre einfache Bauweise und die weit verbreitete Nutzung führen zu niedrigeren Produktionskosten.

Synchronmotor: Synchronmotoren sind teurer in der Anschaffung. Die komplexere Konstruktion und der Einsatz spezieller Materialien erhöhen die Produktionskosten.

Leistungsdichte / Gewicht

Asynchronmotor: Asynchronmotoren benötigen aufgrund ihrer Bauweise mehr Platz und sind schwerer. Dies kann die Kompaktheit des Elektrostaplers einschränken.

Synchronmotor: Synchronmotoren bieten eine höhere Leistungsdichte und sind kompakter. Sie ermöglichen eine leichtere und platzsparendere Konstruktion des Elektrostaplers.

Zusammenfassung: Für welche Fälle welche Antriebsart sinnvoll ist

Asynchronmotor: Ideal für Anwendungen mit konstanten Lasten und gleichmäßigen Betriebsbedingungen. Sie sind kostengünstig, robust und wartungsarm.

Synchronmotor: Vorteilhaft in Szenarien mit häufig wechselnden Lasten oder variierenden Betriebsbedingungen. Sie bieten hohe Effizienz, präzise Drehzahlregelung und kompakte Bauweise.

Die Entscheidung zwischen Asynchron- und Synchronmotor sollte auf einer sorgfältigen Analyse der spezifischen Anforderungen des Einsatzszenarios basieren.

Ausblick

In den letzten Jahren haben sich verschiedenste Entwicklungen abgezeichnet, die die Antriebstechnik bei Elektrostaplern künftig prägen könnten. Sowohl die Materialien als auch Steuerung und unterstützende Technologien verändern sich, und diese Trends könnten bei Synchron-, Asynchron- oder Alternativbauarten große Auswirkungen haben.

Trends: Materialien & neue Bauarten (z. B. Reluktanzmotoren)

Aufgrund der zunehmenden Knappheit und Preisvolatilität seltener Erden gibt es intensive Forschung an seltenen-Erden-freien Permanentmagneten oder alternativen magnetischen Materialien. Beispiele sind Ferrit-Magnete oder neuartige Legierungen, die ohne seltene Erden auskommen oder zumindest deren Einsatz stark reduzieren.  

Auch Materialien wie Eisen-Kobalt oder Verbundwerkstoffe, neu strukturierte Magnete und Nanostrukturen werden untersucht, um bessere magnetische Eigenschaften mit weniger problematischen Rohstoffen zu kombinieren.  

Eine sehr relevante Bauart ist der Reluktanzmotor oder spezielle Kombinationen wie Permanentmagnet-unterstützte Reluktanzmotoren (SynR-Motoren, SynReluktanz etc.). Diese Bauweise bietet Potenzial, hohe Leistungsdichte zu erzielen, ohne auf Permanentmagnete mit seltenen Erden angewiesen zu sein.  

Ein konkretes Beispiel ist die Entwicklung des „In-Rotor Inductive-Excited Synchronous Motor“ (I2SM) von ZF: Hier wird das Erregerfeld induktiv im Rotor erzeugt, ohne Permanentmagnete mit seltenen Erden, was Energieverluste reduziert und zugleich eine kompakte, leistungsstarke Bauweise ermöglicht.  

Einfluss von Digitalisierung, Sensorik und Steuerungssoftware

Moderne Steuerungssoftware und Sensorik spielen eine immer größere Rolle, insbesondere bei neuen Motortypen wie Reluktanzmaschinen oder synchronen Systemen ohne Permanentmagnete. Damit lassen sich Stromzufuhr, Erregung, Licht- und Lastwechsel präziser regeln, um Effizienzverluste zu minimieren.  

Durch Digitalisierung und smarte Regelalgorithmen lassen sich Betriebszustände in Echtzeit überwachen (Temperatur, Last, Drehzahl, Verlustleistung). Dies ermöglicht adaptive Steuerungen, die den Energieverbrauch optimieren und den Motor vor Überlast schützen.

Zukünftig können „Predictive Maintenance“ und Zustandsüberwachung per Sensorik für Antrieb, Lager, Temperatur etc. dazu beitragen, Wartungsintervalle zu verlängern und Ausfallzeiten zu reduzieren.

Softwareseitige Innovationen wie optimierte Inverter, Puls- bzw. Phasensteuerstrategien, besseres Management von Teillastfeldern und der Einsatz sogenannter „Dynamischer Motorbetriebspunkte“ (z. B. bei leichten Lasten oder im Leerlauf) tragen dazu bei, Effizienzverluste zu minimieren. Projekte, die seltene-Erden-freie Motoren mit ausgefeilten Steueralgorithmen koppeln, versprechen hier besonders große Wirkung.  

Fazit

Kernaussagen: Wann lohnt sich der Einsatz eines Synchronmotors statt eines Asynchronmotors?

Ein Synchronmotor lohnt sich besonders, wenn Effizienz, Energieeinsparung, Leistungsdichte und präzise Drehzahlregelung eine große Rolle spielen – insbesondere bei Anwendungen mit häufigem Teillastbetrieb, variierenden Lasten oder hoher Laufleistung. Der Synchronmotor kann seinen Vorteil vor allem dann ausspielen, wenn über die Lebensdauer hohe Stromkosteneinsparungen die höheren Anschaffungskosten amortisieren.

Andererseits ist ein Asynchronmotor oft die bessere Wahl bei einfacheren Anwendungen, bei denen Zuverlässigkeit, robuste Bauweise und geringe Investitionskosten im Vordergrund stehen.

Kurz gesagt:

Synchronmotor ist vorzuziehen, wenn: Energieeffizienz, Präzision, kompakte Bauweise und Einsparpotenziale über Laufzeit entscheidend sind.

Asynchronmotor ist vorzuziehen, wenn: Kosten, Robustheit und einfache Technik im Vordergrund stehen.

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